Chris von Rohr
Krieg und Frieden
Jeder Krieg beginnt bei uns selbst. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt", sagte der Freiheitskämpfer Gandhi. Und Udo Lindenberg legte mit "Gitarren statt Knarren" nach. Eine friedliche Welt kann nicht durch Waffen erzwungen werden. Das musste schon manch ein Eroberer in der Geschichte dieser Welt erfahren. Leider haben wir nichts daraus gelernt.
Trotz allen unglaublichen technischen und medizinischen Erfindungen scheint das aggressive Tier im Menschen immer wieder durchzubrechen. Das Gesetz des Dschungels war nie weg, und Jagdgründe werden ständig erweitert. Der Mensch bleibt seit Jahrtausenden ein kriegerisches Wesen, und es gelang dieser Spezies bis heute nicht, sich selbst zu entwaffnen. Von den ersten Stammeskonflikten bis zu den hochtechnologisierten Kriegen der Gegenwart begleitet die Gewalt den Menschen wie ein Schatten. Unterwegs zwischen Krieg und Frieden, zwischen Eskalation und Deeskalation.
Schon früh wird uns beigebracht, dass man kämpfen muss, um im Leben etwas zu erreichen. Wenn dieser Kampf aber in Wut und Feindschaften mündet, wirds zerstörerisch. Kriege entstehen nicht nur aus materiellen Interessen, sondern oft auch aus Panik, religiösem Kampf, der keinen Zweifel erlaubt, Misstrauen, Fehlinformation und dem Wunsch nach Dominanz und Macht.
Ich persönlich arbeite seit den "Peace & Love"-Sixties an meinem inneren und äusseren Frieden. Wie hält man den Geist sauber, die Gedanken rein und das Herz in der Frequenz der Zuversicht in einer Welt, die immer mehr von Verrückten und Lügnern regiert wird? Kompromisse, Toleranz und fruchtbare Dialoge scheinen als politische und gesellschaftliche Haltung verloren gegangen zu sein. Entsprechend wird auch die öffentliche Stimmung immer aufgeheizter.
Unser Alpenland ist stets gut gefahren, sich aus fremden Händel rauszuhalten. Leider glauben zunehmend viele Gernegross-Politiker in ihrer Kurzsichtigkeit, dies sei heute ein folkloristisches Auslaufmodell. Statt sich zurückzuhalten, möchten sie mit den mächtigen Playern mitmischen. Für mich heisst Neutralität aber nicht keine klare Meinung zu Kriegereien zu haben oder humanitäre Hilfe zu verweigern, sondern Menschlichkeit, Klugheit und Stärke. Verlassen könnnen wir uns am Schluss eh nur auf uns selbst.
Also halten wir unseren eigenen Laden im Griff. Sorgen wir uns um das Gute und machen uns nicht unnötig Feinde. Bleiben wir das kleine, innovative Land, diese älteste Selbsthilfeorganisation, die von aller Welt geschätzt und bewundert wird. Dazu sollte die Schweiz als sicherer Hafen wieder mehr als Vermittler und Mediator in Erscheinung treten, wo verfeindete Parteien zueinanderfinden können. Jeder Krieg endet schlussendlich am Verhandlungstisch.
Frieden, auch im privaten Umfeld, ist nicht einfach ein Zustand, der einmal erreicht und dann dauerhaft gesichert bleibt. Er ist ein Prozess - ein ständiges Ringen zwischen Angst, Vertrauen, Verlust, Egoismus, Streitsucht, Liebe, Empathie und Selbstverantwortung. Genau in diesem Spannungsfeld liegt vielleicht die grösste Herausforderung des Menschseins.
Chris von Rohr in der Schweizer Illustrierten vom 20. März 2026
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