Robert Stephan Bolli

Chris von Rohr

Krieg und Frieden

Jeder Krieg beginnt bei uns selbst. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt", sagte der Freiheitskämpfer Gandhi. Und Udo Lindenberg legte mit "Gitarren statt Knarren" nach. Eine friedliche Welt kann nicht durch Waffen erzwungen werden. Das musste schon manch ein Eroberer in der Geschichte dieser Welt erfahren. Leider haben wir nichts daraus gelernt. 

Trotz allen unglaublichen technischen und medizinischen Erfindungen scheint das aggressive Tier im Menschen immer wieder durchzubrechen. Das Gesetz des Dschungels war nie weg, und Jagdgründe werden ständig erweitert. Der Mensch bleibt seit Jahrtausenden ein kriegerisches Wesen, und es gelang dieser Spezies bis heute nicht, sich selbst zu entwaffnen. Von den ersten Stammeskonflikten bis zu den hochtechnologisierten Kriegen der Gegenwart begleitet die Gewalt den Menschen wie ein Schatten. Unterwegs zwischen Krieg und Frieden, zwischen Eskalation und Deeskalation.

Schon früh wird uns beigebracht, dass man kämpfen muss, um im Leben etwas zu erreichen. Wenn dieser Kampf aber in Wut und Feindschaften mündet, wirds zerstörerisch. Kriege entstehen nicht nur aus materiellen Interessen, sondern oft auch aus Panik, religiösem Kampf, der keinen Zweifel erlaubt, Misstrauen, Fehlinformation und dem Wunsch nach Dominanz und Macht. 

Ich persönlich arbeite seit den "Peace & Love"-Sixties an meinem inneren und äusseren Frieden. Wie hält man den Geist sauber, die Gedanken rein und das Herz in der Frequenz der Zuversicht in einer Welt, die immer mehr von Verrückten und Lügnern regiert wird? Kompromisse, Toleranz und fruchtbare Dialoge scheinen als politische und gesellschaftliche Haltung verloren gegangen zu sein. Entsprechend wird auch die öffentliche Stimmung immer aufgeheizter.

Unser Alpenland ist stets gut gefahren, sich aus fremden Händel rauszuhalten. Leider glauben zunehmend viele Gernegross-Politiker in ihrer Kurzsichtigkeit, dies sei heute ein folkloristisches Auslaufmodell. Statt sich zurückzuhalten, möchten sie mit den mächtigen Playern mitmischen. Für mich heisst Neutralität aber nicht keine klare Meinung zu Kriegereien zu haben oder humanitäre Hilfe zu verweigern, sondern Menschlichkeit, Klugheit und Stärke. Verlassen könnnen wir uns am Schluss eh nur auf uns selbst. 

Also halten wir unseren eigenen Laden im Griff. Sorgen wir uns um das Gute und machen uns nicht unnötig Feinde. Bleiben wir das kleine, innovative Land, diese älteste Selbsthilfeorganisation, die von aller Welt geschätzt und bewundert wird. Dazu sollte die Schweiz als sicherer Hafen wieder mehr als Vermittler und Mediator in Erscheinung treten, wo verfeindete Parteien zueinanderfinden können. Jeder Krieg endet schlussendlich am Verhandlungstisch.

Frieden, auch im privaten Umfeld, ist nicht einfach ein Zustand, der einmal erreicht und dann dauerhaft gesichert bleibt. Er ist ein Prozess - ein ständiges Ringen zwischen Angst, Vertrauen, Verlust, Egoismus, Streitsucht, Liebe, Empathie und Selbstverantwortung. Genau in diesem Spannungsfeld liegt vielleicht die grösste Herausforderung des Menschseins.

Chris von Rohr in der Schweizer Illustrierten vom 20. März 2026

 




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Fünf Kälber auf Wanderschaft

Tja, liebe Freunde, der erste Beitrag im nun nicht mehr so ganz neuen Jahr kommt reichlich spät.  Und die ersten Fotos für diesen Beitrag stammen erst noch aus der untersten Region der Mottenkiste. Sorry dafür! Ich werde mich gleich in eine Ecke stellen und eine Minute des Schämens abhalten.

So, das wäre erledigt. Nun aber mal ernsthaft: so kann es gehen, wenn man des alte Jahr mit einem Unfall ausklingen lässt, und das Neue mit grössten Schmerzen und viel Ungemach beginnen muss. Nein, keine Bange! Mir geht es soweit gut. Es ist Bea, meine liebe Frau, die kurz vor Weihnachten über eine Bordsteinkante gestolpert ist und sich dabei den linken Oberarmkopf gebrochen hat. 

Nun bin ich seither zum Hausmann, Koch, Spitex-Pfleger und gelegentlich zum Sachbearbeiter (also "Bürogumsel" für alles) verdonnert. Klar, ich bin ja gerne hilfsbereit und habe genügend Zeit für die meisten anfallenden Aufgaben - dies, um etwaige Missverständnissen vorzubeugen. Aber es ist halt doch so, dass persönliche Dinge liegen bleiben und auf später verschoben werden müssen (also die Arbeiten am Lokschuppen zum Beispiel oder eben diesen Blog aktuell zu halten - Ideen wären zahlreich vorhanden.)

Nun aber geht's los mit einer originellen Fotoserie, die vermutlich aus den späteren 50er-Jahren stammt. Sie zeigt Erwin, meinen Vater (mit schwarz/weisser Mütze) im Kreise von vier Freunden - vielleicht Kameraden aus der Zeit des Aktivdienstes, möglicherweise alles Bergsteigerkollegen, denn mein Vater war ein begeisterter Alpinist.   

Auch beim Tschutten wird herumgeblödelt.

 

Alkohol und Zigaretten gehörten wohl zu den ständigen Begleitern.

 

Was hat der Erwin wohl im Gulli verloren?

Mit vereinten Kräften kommt man besser raus.

 

So geht das, mein Lieber!

 

Erwin mit Stumpen :) !!!

 

 

Fünf Freunde!

 

publiziert am 25. Januar 2026

 




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Frohe Festtage

 

       Frohe Festtage und viel Gfreuts im 2026




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Max Frisch

 

"Man hat Durst nicht nach Ehre, aber nach Menschen, aber nach Menschen, die nicht im persönlichen Leben mit uns verstrickt sind. Man hebt das Schweigen, das öffentliche, auf (oft wie gesagt, über alle Scham hinaus) im Bedürfnis nach Kommunikation. Man gibt sich preis, um einen Anfang zu machen. Man bekennt: Hier stehe ich und weiss nicht weiter. Und all dies ungefragt! Kein Schriftsteller, so glaube ich, schreibt für die Sterne, so wenig wie für das Publikum, sondern er schreibt für sich selbst in Bezug auf Menschen, die möglicherweise noch nicht geboren sind."

 

Max Rudolf Frisch, geb. 15. Mai 1911 in Zürich, gest. 4. April 1991 ebenda. Schweizer Schriftsteller und Architekt.




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